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Zur Verbesserung Ihres Tradings sollten Sie Ihren Trading-Tag genau analysieren, um Schwachstellen Ihrer Strategie aufzudecken. Hierfür existieren einige Statistik-Tools, mit denen Sie die Qualität Ihrer Trades bewerten können. Eine der simpelsten und aussagefähigsten Kennzahlen ist der sog. Profit Factor.

Definition des Profit Factor

Der Profit Factor ist ein Qualitätsindex für den Börsenhandel. Er bewertet mittels einer Kennzahl das Verhältnis zwischen eingegangener Risiken und erzielter Resultate.

Liegt Ihr Profit Factor bei über 2, dann hatten Sie einen guten Trading-Tag. Bei einem niedrigeren Wert sollten Sie Ihr Trading überprüfen, selbst wenn Sie Gewinne erzielen. Ein Profit Factor unter 2 ist nämlich ein Hinweis darauf, dass Sie zu große Risiken eingegangen sind, um Ihr Kapital zu vergrößern. Statistisch gesehen ist ein Trader mit einem Profit Factor unter 2 über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt, da die impliziten Risiken zu nachhaltig sind, um einen Gewinn zu erzeugen. Dies bedeutet, dass die Verluste ab einem bestimmten Zeitpunkt überhandnehmen und Sie sich davon nicht erholen können. Mit einem Profit Factor von über 2 sind Sie vor einem Kapitalschwund geschützt.

Wie wird der Profit Factor berechnet?

Der Profit Factor ist ganz einfach zu berechnen: Sie addieren alle Ihre Handelsgewinne und teilen diese durch Ihre gesamten Verluste:

Profit Factor = (Summe der Gewinne) / (Summe der Verluste)

Der Profit Factor: ein konkretes Beispiel

Wenn Ihre gesamten Gewinne an einem Handelstag z.B. 530 € betragen und Ihre gesamten Verluste 280 € ausmachen, dann bleiben Ihnen 250 € netto und Ihr Profit Factor hat einen Wert von 1,89 (530/280=1,89). Ihr Tagesverlauf ist daher positiv, Sie sind zufrieden, einen Saldo von 250 € zu erzielen, aber der Profit Factor unter 2 sollte Sie alarmieren: Sie sind ein zu hohes Risiko eingegangen, um diese Summe zu erzielen. Genau genommen haben Sie 1 € verloren, um 1,89 € zu gewinnen. Langfristig ist Ihr Trading damit zu gefährlich. An einem einzelnen Tag fällt das kaum ins Gewicht, vielmehr sollten Sie den Profit Factor pro Woche, Monat, Quartal, Jahr errechnen. Je länger der Zeitraum für die Berechnung ist, desto stichhaltiger ist das Ergebnis und erlaubt eine qualitative Bewertung Ihres Tradings.

Profit Factor und Risikomanagement

Der Profit Factor ist daher ein aussagekräftiges Werkzeug für das Risikomanagement, das vor allem von Hedgefonds eingesetzt wird, um deren Trader zu bewerten. Die allgemeine Philosophie dieser Hedgefonds besteht in einer hohen Rendite mit minimalem Risiko. Es liegt an uns, diese Philosophie auf unser eigenes Trading anzuwenden: Denn es ist besser, im Schnitt 200 € pro Tag mit einem Profit-Faktor von 3 zu verdienen (durchschnittlich verlieren Sie 100 €, wenn Sie 300 € verdienen), als 400 € mit einem Profit-Faktor von 2 (durchschnittlich verlieren Sie 100 €, wenn Sie 200 € verdienen)!!!

Meine Ansicht zum Profit Factor

Diese Kennzahl wird vor allem von den amerikanischen Hedgefonds eingesetzt, da sie sofort klare Verhältnisse schafft: Sie wissen auf Anhieb, ob die Gewinne mit umfassender Sachkenntnis und in Sicherheit oder eher auf unbewusste Weise entstanden sind. In Deutschland ist der Profit Factor eher wenig bekannt, er müsste aber obligatorisch werden, um bei der Entscheidung, Geld in einen Fonds zu investieren, zu helfen. Die Rendite ist nicht alles: die Sicherheit der Anlage ist das erste Kriterium, das in Erwägung zu ziehen ist.

Bei meinem Trading berechne ich jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr meinen Profit Factor, wie Sie an meinen Börsenresultaten erkennen können. Dies ermöglicht mir, die Qualität meines Tradings über einen längeren Zeitraum zu bewerten und zu versuchen, mich jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr zu verbessern. Ich ziehe es daher vor, in einer Woche einen Gewinn von 500 € mit einem Profit Factor von 7 zu machen als 1500 € mit einem Profit Factor von 3 zu erzielen. Wenn Sie etwas über die Qualität eines Traders erfahren möchten, fragen Sie ihn nach seinem jährlichen Profit Factor. Wenn er nicht weiß, was das ist, dann ist er kein Trader, sondern ein „Spaßvogel“.

Der Autor

Benoist Rousseau

Sitze an der CME & CBOT · Trader seit 1994

Benoist Rousseau ist Trader, Mitglied der Chicago Mercantile Exchange (CME) und des Chicago Board of Trade (CBOT), an der Sorbonne ausgebildeter Spezialist für Wirtschaftsgeschichte und erfahrener Pädagoge. So gründete er 2022 seine Trading-Schule.
Mit über 30 Jahren Erfahrung in CME-Futures teilt er Sitzungsanalysen, kommentierte Trade-Replays sowie Psychologie und Risikomanagement — ohne Signale, ohne Versprechen, rohes und ungefiltertes Trading.

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