Dominiert Geld unser Leben?

16 2 2019 - Pas de Commentaire, soyez le premier
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Dominiert Geld unser Leben?

In den letzten Tagen bin ich nur Leuten begegnet, die über Geld reden. Es ist ihr einziges Weltbild, ihre einzige Motivation, ihr einziger Wert. Dieses Vakuum und vor allem ihre Gewissheit, dass dies das alles bestimmende Thema sein soll, finde ich manchmal störend. Alle menschlichen Handlungen werden unter einem einzigen Gesichtspunkt, dem Geld, beurteilt. Eine unentgeltliche Handlung, der Wille, anderen zu helfen, zu teilen: all das scheint ihnen völlig fremd zu sein. Da kommen natürlich Zweifel auf, denn dahinter kommt der stetige Drang zum Vorschein, Geld verdienen zu wollen. Es ist erzwungen und fragwürdig. Selbst die harmlosesten Handlungen sorgen inzwischen für Misstrauen. Einer älteren Person beim Tragen schwerer Einkaufstaschen helfen (ich muss sie jedesmal beruhigen, dass ich mich nicht mit ihrem Einkauf aus dem Staub machen werde), jemandem die Tür aufhalten...

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Die Menschen verhalten sich defensiv, sind misstrauisch... Die Werte, mit denen ich aufgewachsen bin, gelten nicht mehr. Sie werden als Täuschung wahrgenommen (werde ich die wehrlose ältere Person ausnutzen?, einer jungen Dame die Tür aufzuhalten sei ja nur eine billige Anmache...). Die Werte, die mir vermittelt wurden, sind nicht mehr gebräuchlich: anderen helfen zu können, war einmal die schönste Belohnung. Wo ist der ritterliche Geist, die Ehre, die Würde?

Diese Art von Missverständnis hatte ich bereits erlebt, als ich zum Beispiel meinen Job als IT-Trainer in der Renault-Zentrale aufgegeben hatte. Ich konnte alle damaligen Führungskräfte, von Louis Schweitzer bis Carlos Ghosn, der damaligen Nummer 2, persönlich schulen; ich ging direkt in ihr Büro, während die stellvertretenden Direktoren im Wartezimmer ausharren mussten (eine Art, die Hierarchie zu untermauern, was mir in der Zentrale zu einem „Nimbus“ verhalf ((lächerlich)) - kurz gesagt, es war ein sicherer, lukrativer Posten.

Trotzdem kündigte ich, um mich fortan als Geschichtslehrer zu verdingen. Für die Bewerbung als freier Kandidat habe ich mich nach Feierabend in der Renault-Zentrale aus eigener Motivation vorbereitet. Nach wie vor war ich aber von Personen umgeben, die verstehen konnten, dass es besser war, eine Stelle zu haben, in der ich mich für die Gesellschaft nützlich machen konnte, als einen gut bezahlten Job ohne gesellschaftlichen Nutzen. Das war vor 15 Jahren.

Geld als einzige Quelle der Erfüllung?

Wenn ich mich heute umschaue, sehe ich nicht mehr viele Menschen, die versuchen, glücklich zu sein, ihr Leben mit einer interessanten Tätigkeit zu füllen, einer Leidenschaft, auch wenn sie nicht besonders lukrativ ist. In so manchen E-Mails stellt man mir die Frage, warum ich nicht mehr trade, warum ich nicht mehr ausschließlich das tue? Weil Geld kein Ziel ist, Freiheit dagegen schon, wobei man mit wenig Geld sehr frei sein kann. Ich verbringe lieber einen Tag damit, zu lesen, im Swimmingpool zu plantschen, als mit Trading, um mir dann selbst zu sagen, dass ich zwar 1000 € gewonnen habe, aber den ganzen Tag mit nichts anderem verbracht habe als Geld zu verdienen, das meinen Kontostand vergrößert. Und noch viel mehr... wozu? Ein neues Auto? Traurig...

Ich habe versucht zu verstehen, warum sich die Gesellschaft so entwickelt. Warum ist sie zynischer, rauer geworden und warum ist sie völlig vom Geld versessen? Und warum ist Geld der einzige Zweck eines Daseins, das doch in der Kiste endet?

Warum dreht sich in der Gesellschaft alles ums Geld?

Ich denke, es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Die Wirtschaftskrise hat die Mittelschicht beunruhigt, indem sich wirtschaftliche und psychologische Unsicherheit breit machten. Eine Arbeit zu haben, gilt jetzt als „Glücksfall“, ein kostbares Gut, das es zu verteidigen und zu schützen gilt, auch wenn dazu die Kollegen fertiggemacht werden, damit man ja nicht das erste Opfer der nächsten Entlassungswelle wird. Um diesen Glücksfall (?) zu nutzen, seine Arbeit zu behalten, haben die Angestellten alles mitgetragen: höheres Arbeitstempo, ständig steigenden Druck, unbezahlte Überstunden, Herabstufungen. Daher ist das Unternehmen heute nicht mehr ein Arbeitsplatz, sondern ein Ort des Wettbewerbs, des Drucks, des Unglücks all derer, die das nicht aushalten, die ihr Ziel nicht erreichen, die müde wirken...

Manchmal identifizieren sich die Menschen sogar mit ihrer Arbeit, was für sie katastrophale Folgen haben kann, wenn sie sie verlieren. Neben einem festen Einkommen verlieren sie nämlich auch ihre Identität... Vergangenen Monat habe ich mich mit einem früheren Kollegen von Renault unterhalten, der in den Ruhestand ging. Ich hatte den Eindruck, dass er sich nicht wohl fühlte, dass er trotz seines Lächelns und der üblichen Wortspiele bei seiner Abschiedsfeier beklommen wirkte. Er vertraute sich mir an und ich versuchte, ihn zu beruhigen, aber 3 Wochen später brachte er sich um... Er hatte keinen Plan, keine Identität außer seiner Arbeit.

Geld macht glücklich

Das ist das Bild, das uns die Medien vermitteln: Um glücklich zu sein, muss man konsumieren. In einem Porsche ist man doch viel glücklicher als in einem Opel. Das ist eine feststehende Tatsache, die von niemandem bestritten wird, der nicht an den Fundamenten unserer Gesellschaft rütteln will. Für den Konsum braucht man Geld, und um Geld zu verdienen, braucht man eine Arbeit, und um eine Arbeit zu bekommen, muss man Kröten schlucken. Das macht die Menschen aggressiver, denn bei der Arbeit müssen sie alles auf sich nehmen, aber außerhalb können sie andere Autofahrer attackieren, die zögern, nach links oder rechts abzubiegen.

Diese interne Gewalt wird vom Unternehmen so stark kontrolliert, dass schon so manche Führungskraft nach ihrer Entlassung Selbstmord begangen hat. Er gibt sich selbst die Schuld für die Kündigung und fühlt sich als Versager. Es wäre zu vermuten gewesen, dass er mit einer Schrotflinte auf seinen Personalchef losgeht. Es geschah jedoch das Gegenteil: Er wendet Gewalt gegen sich selbst an und bringt sich um. Das zeigt uns die Macht des Unternehmens, das Schuld auf sich lädt. Aber es zeigt uns auch, dass viele Menschen ihre Identität an ihre Arbeit knüpfen. Sie sind nicht mehr Herr Soundso, sondern ein Professor, Doktor oder Ingenieur.

Eine narzisstische Gesellschaft

Die Gesellschaft ist viel narzisstischer. Das „Ich“ wird zum Mittelpunkt der Diskussionen, das „Wir“ verschwindet allmählich im Hintergrund. Die Individualisierung schreitet überall voran, auch innerhalb von Paaren. Obwohl dies die kleinstmögliche Einheit des Zusammenlebens ist. Jeder kann individuelles Glück innerhalb des Paares beanspruchen, was als normal und erfüllend dargestellt wird. Auch wenn das Paar darunter leiden kann. Ich will, ich mache, mein(e) Partner(in) gefällt mir nicht mehr, ich entsorge ihn (sie). Dating-Sites sind die Quintessenz dafür. Sie sind der Supermarkt für Dates. Wir konsumieren, aber wir halten uns nicht mehr zu lange mit einer Sache oder Person auf, da es ja jederzeit die Möglichkeit besteht, etwas Besseres zu finden. Es wird immer jemanden geben, der reicher, schöner, intelligenter, muskulöser ist. Der Pool wird ständig erneuert, als wären es Autos und Fernseher. Ein Konsumrausch, der sogar die Beziehungen zwischen den Menschen beeinflusst.

Der Individualismus hat enorme Fortschritte gemacht. Die Vorstellung, dass der andere möglicherweise kein Freund ist, sondern eine Gefahr darstellen könnte, wird immer ausgeprägter. Meiner Meinung nach ist dieser Individualismus durch die Wettbewerbsgesellschaft zu erklären. Wehe den Besiegten: Ich werde töten, um meinen Job, mein Gehalt, mein Geld, meinen Konsum zu behalten. Denn letzten Endes geht es um meine Identität in einer kommerziellen Gesellschaft. Dann handelt es sich um Imponiergehabe. Das Wichtigste im Leben ist Geld, denn damit kann man Konsumgüter kaufen, die Neid erzeugen. Mann kann dann sein überlegenes Konsumverhalten genießen, indem man sein tolles Auto oder den neuesten Computer anpreist. Der Wert liegt in der sozialen Anerkennung und dem Neid von Nachbarn oder Kollegen. Ich opfere viel, um mir meine geleaste Luxuskarosse zu leisten. Da erwarte ich wenigstens Neid von den Nachbarn. Wenn nicht, was bringt es dann, Überstunden zu machen?

Was sollte sonst das Ziel sein? Gähnende Leere... nur für die Augen des anderen zu existieren.... und von einer Rolex mit 50 zu träumen... Die Leute machen mir Angst...

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